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Was ist Legal Tech?

Was ist Legal Tech?

 

Der Begriff Legal Tech ist weit und umstritten. Unter Legal Tech versteht man zuallererst und unstreitig die Übersetzung juristischer Denk- und Argumentationsmuster in nutzbare Software. Der Begriff umfasst nach herrschender Auffassung im speziellen die Automatisierung juristischer Vorgänge wie Gerichts- und Schlichtungsverfahren, die Unterstützung juristischer Dienstleister durch digitale Datenbanken, Organisationssoftware und KI-Systeme, sowie bspw. die automatisierte rechtliche Beratung von Verbrauchern durch Unternehmen. Zudem kann unter Legal Tech auch die auf Algorithmen basierte juristische Talentgewinnung verstanden werden.

 

Der Begriff Legal Tech ist inzwischen etabliert im juristischen Sprachgebrauch. Die Forderungen nach mehr „Legal Tech“ in der juristischen Ausbildung werden, befördert durch das zuletzt stark gewachsene Engagement von Studenten in „Legal Tech Initiativen“ zusehends lauter.  Es lohnt sich an dieser Stelle jedoch, den Begriff Legal Tech und die damit verbundenen Forderungen nach mehr Legal Tech in der juristischen Ausbildung genauer zu untersuchen.

 

Die Ausgangslage:  

Das Thema Digitalisierung des Rechts ist wesentlich in den Fokus der juristischen Gesellschaft gerückt. An vielen Orten entstehen studentische Initiativen, die sich mit Legal Tech auseinandersetzen. Auch die Universitäten haben die Notwendigkeit der Ausbildung im Bereich „Legal Tech“ erkannt und bieten mittlerweile zumindest teilweise Grundkurse zum Themenkomplex Digitalisierung im Recht, Rechtsinformatik und Veränderung des Rechtsmarktes an. Selbst der BGH musste sich in jüngster Zeit in einem Urteil über das Legal Tech Unternehmen wenigermiete.de (jetzt CONNY) mit der aktuellen Entwicklung beschäftigen. Das Thema hat die Branche voll erfasst und beginnt sie wesentlich zu prägen. Sowohl in Ausbildung als auch in der Beraterschaft, Justiz und Verwaltung stehen große Veränderungen für den gewohnten Juristenalltag an, die es mitzugestalten und einzuordnen gilt.  

 

Der Begriff „Legal Tech“: 

Jedoch scheint in vielen Punkten nicht ganz klar, was mit dem unscharfen Begriff „Legal Tech“ eigentlich gemeint sein soll. Letztendlich kann wohl festgehalten werden, dass Legal Tech ein Sammelbegriff darstellt für Alles, was im entferntesten Sinne mit Recht und Digitalisierung zu tun hat. So wird bspw. sowohl die klassische Rechtsinformatik, also das „Übersetzen“ von rechtlichen Denkstrukturen in nutzbare Codierung, als Legal Tech verstanden, als auch die Gewinnung von neuen juristischen Fachkräften mithilfe algorithmusbasierter Headhunter wie Talentrocket. Diese massive Bandbreite führt häufig dazu, dass auch Universitäten wenig mit dem Begriff einer „Legal Tech Vorlesung“ oder der Einbindung von „Legal Tech“ in die juristische Ausbildung anfangen können, was jedoch vermehr vonseiten der entsprechenden studentischen Initiativen gefordert wird. Zur Auflösung dieses zunehmenden Dilemmas muss zunächst geklärt werden, welche Aufgaben dem Juristen im Zuge der Digitalisierung zukommen. 

 

Anforderungen an den digital gebildeten Juristen:  

Maßgeblich sollte zunächst ein Verständnis der technischen Grundlagen der digitalen Veränderungen sein. Hierbei kommt es unserer Meinung nach nicht darauf an, dass der Jurist ein Programm schreiben kann. Vielmehr muss der Rechtsanwender die Arbeitsweise und den Aufbau von digitalisierten Abläufen und Anwendungen verstehen. Es geht zunächst also vielmehr um ein strukturelles Verständnis der Materie und der damit verbundenen Geschäftsmodelle, als um eine tatsächliche technische Anwendung bestimmter Kenntnisse. Zudem muss der Jurist auch das generelle Marktumfeld kennen. Dies ist nicht nur auf den Markt der Rechtsdienstleister zu beschränken, sondern sollte zumindest auch Grundzüge der Digitalwirtschaft umfassen. Es muss daher vermittelt werden, welche Rechtsbereiche für die Digitalisierung besonders geeignet sind. Auf keinen Fall sollte der Eindruck vermittelt werden, es müsse um jeden Preis das gesamte Recht digitalisiert werden. Die Basis des grundlegenden inhaltlichen und wirtschaftlichen Verständnisses zu legen, sollte zu den Aufgaben der Universitäten gehören. Hier besteht nach wie vor großer Nachholbedarf.  

 

Ist diese Basis einmal gelegt, so helfen die erworbenen Kenntnisse dem Juristen in zwei großen Themenfeldern. Zum einen kann eine Abschätzung vorgenommen werden, welche Bereiche des Rechts sich zur Digitalisierung eignen und wie man bestimmte rechtliche Vorgänge digitalisiert abbilden kann. Dies ist das Themenfeld des gestaltenden Juristen. Hier sind bereits viele unterschiedliche Angebote in Form von Unternehmen, Vereinen und auch Veranstaltungen vorhanden. Das zweite Themenfeld ist das Feld der Veränderung der Rechtslage durch digitalisierte Vorgänge. Hier unterschiedet sich die Thematik maßgeblich vom klassischen Begriff Legal Tech. Denn in diesem Themenfeld geht es nicht mehr nur um die Digitalisierung im Rechtsmarkt, sondern um die Digitalisierung der Gesellschaft allgemein und den daraus entstehenden rechtlichen Folgen. An dieser Stelle vermischt sich das technische Verständnis mit den erworbenen juristischen Fähigkeiten. Der Jurist ist in der Lage, die neuen Sachverhalte inhaltlich technisch zu begreifen und juristisch zu subsummieren. Die Lehre im Bereich der Beantwortung rechtlicher Fragen im Zuge der Digitalisierung wird an den Universitäten zwangsläufig Einzug halten, da nahezu kein Rechtsbereich von den Folgen des digitalen Wandels der Gesellschaft verschont bleiben wird. Folglich stellen sich rechtliche Fragen der Einordnung von bestimmten digitalen Vorgängen zwangsläufig. Es sollte jedoch im Sinne der Universitäten sein, den angehenden Juristen das nötige Rüstzeug zu geben, um die rechtliche Fragestellung inhaltlich technisch zu erfassen und dann ordentlich juristisch zu bewerten. Die Mischung dieser Komponenten sollte dabei nicht stiefmütterlich und unkoordiniert behandelt werden. Vielmehr bedarf es einer umfassenden Abstimmung der einzelnen, bereits bestehenden Vorlesungen mit den technischen Grundzügen. Diese Umstellung wird die Universitäten vor besondere Herausforderungen stellen. Jedoch ist bereits jetzt absehbar, dass Absolventen der sog. „digitalen Vorreiter“ im Berufsalltag einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Kollegen haben. Eine Auseinandersetzung mit den Anforderungen an digital gebildete Juristen ist daher in Zukunft wohl unabdingbar.

 

Fazit

Es kann an dieser Stelle wohl festgestellt werden, dass Legal Tech keine vorübergehend Erscheinung oder gar ein „Trend“ ist. Die Forderungen nach mehr „Legal Tech“ in der juristischen Ausbildung sind daher durchaus berechtigt. Jedoch täte es der kontrovers geführten Debatte gut, die genauen Anforderungen an den Legal Tech Part in der Ausbildung zu formulieren und entsprechende Konzepte gemeinsam mit den Universitäten zu erarbeiten. Denn die Diskussion um  das Thema der digitalen Kompetenz von Juristen sollte nicht unter einem allgemeinen Platzhalterbegrifff geführt werden, sondern mit konkreten und zielorientierten Vorschlägen zu Vorlesungen und Veranstaltungen und in Kooperation mit der Praxis.

 

 

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