DGDSG

Digitalisierung und Legal Tech im Jurastudium

Muss Legal Tech zum Studieninhalt in der juristischen Ausbildung werden?

Ein Beitrag von Hannes Monsees.

Legal Tech ist ein wirtschaftliches und kein originär juristisches Problem. Es handelt sich dabei nach hiesigem Verständnis um die Digitalisierung des Rechtsdienstleistungsmarkts. Zwar wird die Digitalisierung auch in der Justiz zunehmend eingefordert und in Teilen umgesetzt. Dabei geht es aber nicht darum menschliche Entscheidungsträger durch Maschinen zu ersetzen. Die vielbeschworenen „Robo-Richter“ sind keine Realität und werden es auch auf absehbare Zeit nicht sein (vgl. Meder, Rechtsmaschinen, 2018, Böhlau Verlag, S. 127 ff.).

Auf dem Rechtsdienstleistungsmarkt sieht es dagegen anders aus. Hier wird mit Legal-Tech-Anwendungen tatsächlich daran gearbeitet gewisse Bereiche der Rechtsberatung und der Rechtsdienstleistung zunächst zu digitalisieren und dann zu automatisieren. Dafür gibt es insbesondere zwei Gründe: Einerseits besteht bei den herkömmlichen Rechtsdienstleistern (v.a. Kanzleien und Rechtsabteilungen) ein erheblicher Kostendruck von Seiten der Mandantschaft. Andererseits gibt es immer weniger Absolventen bei mindestens gleichbleibendem, wenn nicht gar steigendem Rechtsdienstleistungsbedarf. Die Folge ist ein Kampf um die besten Absolventen, der zurzeit vor allem über das Gehalt ausgetragen wird. Auch dabei entsteht Kostendruck, weil die höheren Gehälter nicht auf die Mandantschaft umgelegt werden können, die ja ohnehin schon günstigere Angebote erhalten wollen.

Aus diesen Zwängen entsteht das Bedürfnis danach, bestimmte Tätigkeiten, für die etwa ein hochqualifizierter und entsprechend zu bezahlender Anwalt überqualifiziert wäre, durch Maschinen zu ersetzen. Auf dem Rechtsdienstleistungsmarkt werden die hierzu entwickelten Produkte „Legal Tech“ genannt. Überall sonst spricht man schlicht von der Digitalisierung oder der „Industriellen Revolution 2.0“. Damit ist Legal Tech nicht nur kein originär juristisches, sondern nicht mal ein der Rechtsbranche eigenes Phänomen.

Gleichwohl entstehen durch die zunehmende Entwicklung und den Einsatz von Legal-Tech-Anwendungen juristische Probleme, die es zu erforschen und zu lösen gilt. Es ist offenkundig, dass Legal Tech sich auf unterschiedlichen Rechtsfachgebieten unterschiedlich stark auswirkt (Beispiele bei Anzinger, Legal Tech in der juristischen Ausbildung, 2020, S. 12.). Diese Rechtsprobleme werden zum Teil schon erforscht, zum Teil sind sie aber auch noch nicht absehbar. Niemand hätte sich beispielsweise vor 20 Jahren vorstellen können, welche Rechtsprobleme das Mobiltelefon dereinst noch aufwerfen könnte. Diese Forschung findet an verschiedenen Stellen statt. Federführend sind zurzeit vor allem die großen Rechtsdienstleister und damit die unmittelbar Betroffnenen. Aber auch private Initiativen, wie die DGDSG, und die Lehrstühle an den Universitäten leisten wichtige Forschungsbeiträge. Diese ERgebnisse werden zwangsläufig sukzessive als Lehrinhalte in den jeweiligen Fachgebieten in das Jurastudium aufgenommen, ohne dass es eines Zutuns von außen bedürfte. Dieser Modus ist auch genau die richtige Vorgehensweise.

Vor dem Hintergrund, dass die Digitalisierung des Rechtsdienstleistungsmarkts nahezu alle Juristen einmal betreffen wird, erscheint es allerdings sinnvoll, dass die Studierenden einen Überblick darüber bekommen, wie ihr späteres Arbeitsleben einmal aussehen wird oder könnte. Hierzu ist eine Lehrveranstaltung nötig, die sich mit den theoretischen Grundlagen von Legal Tech befasst. Dazu gehören gewisse Grundkenntnisse darüber was ein Algorithmus ist und wo die Forschung zu Künstlicher Intelligenz heute steht. Auch betriebswirtschaftliche Aspekte gehören zum vollständigen Verständnis von Legal Tech. Zuletzt müssen auch rechtstheoretische Fragen erörtert werden, wenn es um die Frage geht, welche juristischen Tätigkeiten automatisiert werden können und sollten. Diese Fragen lassen sich im Rahmen einer Lehrveranstaltung für Studierende aufbereiten und vermitteln. Die Veranstaltung kann dabei als Zusatzveranstaltung angeboten werden. Mit Blick darauf, dass die Auswirkungen von Legal Tech die große Mehrheit von Studierenden einmal betreffen wird, bietet sich die Aufnahme einer solchen Veranstaltung in den Grundlagenstoff an. Denn neben der Rechtstheorie und -historie ist auch die Zukunft des Rechtsdienstleistungsmarktes ein Grundlagenfach, mit dem sich Studierende neben dem materiellen Recht befassen sollten.

Fazit:

Die Rechtsprobleme, die Legal Tech aufwerfen wird, werden auf natürlichem Wege Eingang in das Jurastudium finden. Durch Forschung werden sukzessive die Ergebnisse den Studienplan ergänzen und manche alten Inhalte ersetzen. Zudem ist eine Grundlagen-Lehrveranstaltung sinnvoll, welche die theoretischen Grundlagen für das Verständnis des Phänomens Legal Tech vermittelt

Hannes Monsees

Hannes Monsees

Hannes Monsees ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der DGDSG e.V. Er ist in der DGDSG e.V. seit 2020 als Schatzmeister tätig.

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